
Ein Umzug in die Schweiz bringt neue Möglichkeiten, aber auch einige wichtige formelle Schritte mit sich. Dieser Leitfaden erklärt die zentralen Versicherungs- und Vorsorgethemen, die Neuankommende, angehende Rentnerinnen und Hauseigentümerinnen regeln sollten: die obligatorische Krankenversicherung, LAMal, KVG, Unfallversicherung, das Drei-Säulen-System AHV, BVG und Säule 3a, weitere relevante Versicherungen sowie eine praktische Checkliste, damit du gesetzliche Fristen einhältst und schnell organisiert bist.
Tipp: prüfe die aktuellen numerischen Schwellenwerte und Limits, Pensionsbeitragsobergrenzen und BVG-Einstiegsgrenze, für das Jahr deines Umzugs.
Die Grundversicherung, LAMal, KVG, ist für alle rechtmässig in der Schweiz wohnhaften Personen obligatorisch und muss innerhalb von drei Monaten nach Wohnsitzanmeldung oder Geburt abgeschlossen werden.
Ambulante Arztbesuche, medizinisch verschriebene Medikamente gemäss Spezialitätenliste, Schwangerschafts- und Wöchnerinnenversorgung, stationäre Grundversorgung in Allgemeinabteilung in der Schweiz, einige Hilfsmittel und grundlegende Rehabilitation. Die Leistungen sind gesetzlich vorgeschrieben, Unterschiede zwischen Anbieterinnen und Anbietern zeigen sich bei Prämien, Franchise, Service und freiwilligen Behandlungsmodellen.
Die Prämien hängen vor allem vom Kanton, dem Wohnort, der Altersgruppe und der gewählten Franchise ab. Für Erwachsene beträgt die gesetzliche Mindestfranchise CHF 300, gängige Optionen für Erwachsene sind CHF 300, 500, 1'000, 1'500, 2'000 und 2'500. Eine höhere Franchise reduziert die monatliche Prämie, führt jedoch zu höheren Selbstkosten bei Leistungsbezug. Für Kinder gelten andere, meist tiefere Franchise-Optionen.
Änderungen der Franchise oder des Modells, die ab dem 1. Januar wirksam werden sollen, müssen in der Regel schriftlich bis Ende des Kalenderjahres beim Versicherer gemeldet werden. Fristen und der letzte Arbeitstag können zwischen Versicherern variieren. Die Kündigung der Grundversicherung zum Wechsel des Anbieters unterliegt gesetzlich geregelten Fristen, üblicherweise muss die Kündigung bis Ende November beim Versicherer eingegangen sein, damit sie am 1. Januar wirksam wird.
Tipp: bestätige genaue Fristen und allfällige Sonderkündigungsrechte, zum Beispiel nach Wohnsitzwechsel oder Prämienerhöhung, bei deinem Versicherer oder Kanton, die Praxis variiert.
Um Prämien zu senken, kannst du Modelle wie HMO, Hausarztmodell, Familienarztmodell, Telemedizin/Telmed oder Apotheker-first Optionen in Betracht ziehen. Solche Modelle verlangen in der Regel eine definierte erste Anlaufstelle für nicht dringliche Behandlungen im Austausch gegen tiefere Prämien.
Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für Berufsunfälle versichern; für Nichtberufsunfälle sind Mitarbeitende versichert, die mindestens 8 Stunden pro Woche beim selben Arbeitgeber arbeiten. Wenn du nicht über den Arbeitgeber gegen Nichtberufsunfälle versichert bist, zum Beispiel bei weniger als 8 Stunden pro Woche oder bei Selbständigkeit, ist der Nichtberufsunfallschutz oft standardmässig in der Grundversicherung enthalten.
Diese sind freiwillig und werden als private Verträge angeboten. Zusatzversicherungen können halbprivate oder private Spitalabteilungen, zusätzliche ambulante Leistungen, Zahnzusatzversicherungen oder erweiterte internationale Deckungen umfassen. Da es sich um Privatverträge handelt, können Versicherer Gesundheitsangaben verlangen, Wartefristen festlegen oder Vorerkrankungen ausschliessen.
Innerhalb von EU, EFTA und UK ist Notfallversorgung in der Regel bis zur Höhe gedeckt, die das besuchte Land für seine eigenen Versicherten bezahlt, auf Vorweisung der entsprechenden Angaben auf deiner Karte oder EHIC-Informationen. Ausserhalb von EU, EFTA und UK ist die Grunddeckung eingeschränkter, und die Absicherung für längere oder geplante Behandlungen im Ausland ist häufig unzureichend, eine Reise- oder erweiterte internationale Krankenversicherung kann empfohlen werden.
Vergleiche Offerten kantonal, erwäge eine höhere Franchise und prüfe alternative Modelle, um Prämien zu senken. Kantone bieten Prämienverbilligungsprogramme für einkommensberechtigte Personen an; informiere dich beim Kanton.
Tipp: die genauen Einsparungen variieren je nach Anbieter und Jahr, nutze aktuelle Vergleichstools.
Das schweizerische Vorsorgesystem basiert auf drei Säulen:
Wenn du in die Schweiz ziehst und Wohnsitz begründest, unterliegst du normalerweise der AHV-Beitragspflicht und, wenn dein Lohn die BVG-Grenze übersteigt, dem Beitritt zu einer BVG-Pensionskasse. Wenn du bereits pensioniert bist und in die Schweiz ziehst, kontaktiere AHV/AVS und allfällige schweizerische Pensionskassen, um Ansprüche zu klären. AHV-Renten sind oft exportierbar, aber Exportregeln und steuerliche Behandlung hängen vom Zielland ab.
Beim Austritt aus einer beruflichen Vorsorge, zum Beispiel bei Jobwechsel, werden 2.-Säulen-Guthaben in der Regel auf ein Freizügigkeitskonto übertragen oder in eine neue Pensionskasse transferiert. Auszahlungsregeln und Transferoptionen hängen von Wohnsitz, Staatsangehörigkeit und Zielland ab.
Tipp: kläre den genauen Ablauf und steuerliche Folgen mit deiner Pensionskasse.
Überlege, ob sich eine Maximierung der Säule-3a-Beiträge während deines Wohnsitzes steuerlich lohnt, bevor du in ein anderes Steuerdomizil wechselst. Wenn AHV- und BVG-Leistungen nicht ausreichen, können ergänzende Leistungen kantonal beantragt werden, informiere dich beim Kanton.
Privathaftpflichtversicherung wird dringend empfohlen und wird von Vermietenden oft verlangt, sie deckt Schäden ab, die du Dritten zufügst, und ist im Verhältnis zu möglichen Schadenersatzforderungen meist kostengünstig.
Hausratversicherung schützt gegen Diebstahl, Feuer und Wasserschäden; Eigentümerinnen und Eigentümer sollten zudem die Gebäudeversicherungspflichten prüfen, Hypothekargeber verlangen in der Regel ausreichenden Gebäudeversicherungsumfang.
Rechtsschutzversicherung kann bei Arbeits-, Miet- oder Konsumentinnenstreitigkeiten nützlich sein.
Wenn du ein Auto mitbringst, melde es lokal an und schliesse die obligatorische Motorfahrzeug-Haftpflichtversicherung ab; Teil- oder Vollkasko sind optional.
Die Grundversicherung und die Sozialversicherung decken Teile des Pflegebedarfs, aber Langzeitpflege kann hohe Kosten verursachen. Wenn du erhöhte Leistungen für Pflegeheimaufenthalte oder erweiterte Langzeitpflege wünschst, prüfe Zusatzprodukte oder private Lösungen.
Grenzgängerinnen und Grenzgänger, die in einem EU- oder EFTA-Staat wohnen und in der Schweiz arbeiten, unterliegen in der Regel der schweizerischen Sozialversicherung ab dem ersten Arbeitstag. Unter bestimmten bilateralen Regeln, zum Beispiel mit Frankreich, Deutschland oder Italien, kann jedoch ein Wahlrecht bestehen, das es erlaubt, im Wohnsitzstaat versichert zu bleiben. Bedingungen und Fristen sind zu beachten. Du musst deine Wahl innerhalb der geltenden Frist anmelden; Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber und kantonale Behörden beraten meist dazu. Die sozialversicherungsrechtliche Koordination beeinflusst Unfallversicherung, Pensionsbeiträge und steuerliche Behandlung, prüfe die für deine Grenzregion und deinen Arbeitgeber geltenden Regeln.
Vor der Anreise:
Recherchiere typische LAMal-Prämien für den angestrebten Kanton und prüfe, ob dein Arbeitgeber Unfallversicherung und berufliche Vorsorge bereitstellt.
Erste Tage nach Ankunft:
Melde dich bei der Gemeinde an, das startet die Dreimonatsfrist für LAMal. Beginne die Krankenversicherungsanmeldung innerhalb dieser drei Monate.
Innerhalb des ersten Monats:
Wähle eine Franchise und ein Behandlungsmodell, um Prämien zu schätzen. Eröffne ein Schweizer Bankkonto für Prämien- und Vorsorgezahlungen.
Innerhalb von drei Monaten:
Schliesse die Grundversicherung (LAMal/KVG) ab und bestätige die Unfalldeckung. Informiere Arbeitgeber und Pensionskasse und verlange Details zur 2. Säule und zu allfälligen Freizügigkeitstransfers.
Vor Jahresende:
Wenn du die Franchise oder das Modell per 1. Januar ändern möchtest, reiche die Anträge rechtzeitig ein. Beim Wechsel der Grundversicherung beachte Kündigungsfristen, typischerweise Ende November.
Bei Pensionierung:
Kontaktiere AHV/AVS und Pensionskassen, um Ansprüche, Transferoptionen und Zeitpunkte zu klären. Ziehe eine letzte Einzahlung in die Säule 3a in Betracht, falls dies vor einem Wohnsitzwechsel steuerlich vorteilhaft ist.
Tipp: bestätige den genauen Säule-3a-Grenzwert und die Steuerregeln für das betreffende Steuerjahr.
Was passiert, wenn ich die Krankenversicherung nicht innerhalb von drei Monaten abschliesse?
Der Kanton oder die Gemeinde kann dich registrieren und rückwirkend Prämien mit Zinsen verlangen.
Kann mir eine Zusatzversicherung verweigert werden?
Ja. Zusatzversicherungen sind Privatverträge und unterliegen Gesundheitsprüfungen.
Wie kann ich Prämien senken?
Vergleiche Anbieter kantonal, erhöhe deine Franchise, wähle alternative Modelle und prüfe Prämienverbilligungen.
Ich bin pensioniert — brauche ich trotzdem LAMal?
Wenn du in der Schweiz wohnst, ja. Bei Wegzug hängt es vom Zielland ab.
Was passiert mit meiner beruflichen Vorsorge bei Wegzug?
2.-Säulen-Guthaben werden meist auf ein Freizügigkeitskonto übertragen oder unter bestimmten Bedingungen ausbezahlt.
Vergleiche Angebote mehrerer Versichererinnen und Versicherer. Nutze offizielle Quellen wie AHV/AVS, BAG und kantonale Stellen sowie unabhängige Vergleichstools. Bei Pensionsfragen sprich mit Arbeitgeber, Pensionskasse und der kantonalen AHV-Stelle. Unabhängige Brokerinnen und digitale Plattformen können helfen — kläre Gebühren und Unabhängigkeit vorab.
miavita ist ein unabhängiger digitaler Versicherungsmakler, kein Versicherer. Sie bieten Online-Vergleichstools und Beratungen für Grund- und Zusatzversicherungen, Franchiseoptionen und kantonale Prämien.
Tipp: prüfe Service-Modell, Gebührenpolitik, Unabhängigkeit und Provisionsvereinbarungen, bevor du den Service nutzt.
Melde dich bei der Gemeinde an. Schliesse die LAMal innerhalb von drei Monaten ab. Bestätige den Unfallschutz. Wähle Franchise und Modell. Prüfe BVG/LPP und plane Säule-3a-Einzahlungen. Schliesse Privathaftpflicht- und Hausratversicherung ab. Kläre Gebäudeversicherung bei Immobilien. Bewahre wichtige Dokumente auf.
Ein Umzug in die Schweiz erfordert zügiges Handeln bezüglich Krankenversicherung und ein solides Grundverständnis des Vorsorgesystems. Eine durchdachte Säule-3a-Strategie, Klarheit über Freizügigkeitsverfahren und die Nutzung offizieller Quellen helfen, langfristige Sicherheit aufzubauen.
Tipp: überprüfe Schwellenwerte und Fristen jedes Jahr bei den zuständigen Behörden oder Versicherern.
Ein anonymes Expat Paar, das nach Zürich zieht: Anna, EU Bürgerin, nahm eine Stelle in Zürich an und meldete sich innerhalb weniger Tage bei der Einwohnerkontrolle an. Sie regelte die LAMal innerhalb der Dreimonatsfrist, wählte ein HMO Modell mit einer Franchise von CHF 1'000, da sie nur wenige ambulante Bedürfnisse erwartete, und bestätigte, dass die Unfallversicherung des Arbeitgebers sie deckte. Ihr Partner arbeitete freiberuflich, schloss den Unfallschutz über die LAMal ab und eröffnete ein Freizügigkeitskonto für vorherige 2. Säule Guthaben. Vor Jahresende tätigten sie eine Säule 3a Einzahlung, um von einem Steuerabzug zu profitieren. Sie nutzten kantonale Vergleichsinstrumente und eine unabhängige Broker Plattform, um Prämien zu vergleichen, und lasen die Versicherungsbedingungen sorgfältig, bevor sie eine Zahnzusatzversicherung mit Wartezeiten wählten.
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